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der innere monolog - seite 9

 
den Poeten. Schon eher, Metrik folgt dem
Sinn und Zweck der Worte, der Wörter, eine
situative Metrik. Eigentlich hat sie dann
schon aufgehört eine Metrik zu sein. Sie
gießt nicht mehr die Form, sondern die
Form folgt. Also doch.

Schwerwiegende Gedanken für einen Spätsommermorgen.
Aber die geistige Jahreszeitlosigkeit siegt,
das ewigdämmernde. Ein Zustand, mein Geisteszustand,
fast schon eine Einstellung. Was wäre wenn
ich auf Dauer in dem herrlichen Dämmerlicht
des Aufwachens leben würde? Teile des Gehirns
ausgeschaltet, mehr Gefühl als Vernunft,
frei assoziierend, wie beim Aufwachen oder
kurz vor dem Einschlafen. Geisteshaltung,
zuschaltbar, bei Bedarf. Ein Traum in einem
Traum in einem Traum.

Ich träume also bin ich. Wie sagten die
alten Lateiner? Kann man in Sprachen träumen,
die man nicht spricht? Träumt man, träume
ich in Sprache? Manchmal passierte es,
daß ich in Englisch träumte. Aber das kann
doch eigentlich erst eine spätere Instanz
sein, die den Traum ausdrückt, ihn mir
erzählt, ich ihn mir erzähle, wenn ich
mich danach frage. Ich träume - wenn ich
träume - in Bildern hauptsächlich. Szenen,
Eindrücke, Gefühle. Sehr echt. Aber wenig
 
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